JOE PILATES

Der in Deutschland geborene Amerikaner Joseph Hubertus ‘Joe‘ Pilates kam am 09. Dezember 1883 in Mönchengladbach zur Welt. Josephs Vater war ein wettkampferprobter Turner, der wohl auch zeitweise eine Art „Fitnessstudio“ betrieb, seine Mutter war Hausfrau und Heilpraktikerin- sie versorgte die in ärmlichen Verhältnissen lebende Familie mit Kräutern aus der Natur. Der kleine Joe war eines von neun Kindern und laut Überlieferungen eher schwach und kränklich: Er litt an Asthma, Rachitis sowie an rheumatischem Fieber. Doch dadurch ließ sich Joseph nicht beirren, sondern begann ganz im Gegenteil, den eigenen Körper intensiv zu studieren und zu heilen. „Der mit seiner Familie befreundete Hausarzt […] schenkte dem Knaben […] ein altes Anatomiebuch, und dieses war bald sein liebstes Lesebuch. Er studierte und büffelte das ganze Buch durch und bald konnte er alle (Organe, Knochen und) Muskeln, seines Körpers benennen. […] (Auch begann Joe von klein auf) mit gymnastischen Übungen aller Art und mit einem Krafttraining, welches seine eher schwächliche Konstitution bald verwandelte. Bereits mit 15 Jahren hatte er einen muskulösen, definierten Körper und wurde des Öfteren als Studienobjekt oder Modell für anatomische Zeichnungen genommen. Joseph begann (nacheinander) vielerlei Sportarten der damaligen Zeit auszuüben, z.B. griech./röm. Ringen, Geräteturnen, Schwimmen und Tauchen, sowie Boxen.“ Auch fernöstliche Kampfkünste, Yoga, Tanz, Gymnastik, Bodybuilding und Skifahren gehörten später zu seinen Leidenschaften. All diese Dinge zeigen, dass Joe´s Kindheit bereits den Grundstein für seinen ganzheitlichen Lebensweg legten.

1912 wanderte Joseph (mit seinem Bruder Frederick) nach England aus, um dort als Boxer und Zirkusartist zu arbeiten. Die beiden traten auch als römische Gladiatoren auf. „Bei einem dieser Kämpfe gegen Leute aus dem Publikum wurde er so schwer an einem Auge verletzt, dass dieses entfernt werden musste und er statt dessen ein Glasauge bekam.[…] (Er etablierte sich als Trainer in Großbritanien mehr und mehr und nach einiger Zeit dort) bekam Joseph den Auftrag die Detektive von Scotland Yard im Boxen und Ringen auszubilden. Als der 1.Weltkrieg begann, kam er als Deutscher nach Lancaster in ein Internierungslager für ‚feindliche Ausländer‘.

(In dieser Zeit) […] begann Joe die Techniken seines Körpertrainings weiter auszubauen und trainierte die Mitgefangenen nach dem von ihm entwickelten Gymnastik- (Repertoire, das er selbst als „Contrology“ bezeichnete. Hierbei bezog) er vorhandene Einrichtungsgegenstände mangels anderer Möglichkeiten ins Training mit ein. Da nur Betten vorhanden waren, benutzte er diese als Trainingsgeräte- nicht zuletzt auch um seine Kraft und Gesundheit als Lehrer zu schonen.

„I invented all these machines. Began back in Germany, was there until 1925, used to exercise rheumatic patients. I thought, why use My strength? So I made a machine to do it for me. Look, you see it resists your movements in just the right way so those inner muscles really have to work against it. That way you can concentrate on movement. You must always do it slowly and smoothly. Then your whole body is in it!“

Joe Pilates

Die Bettfedern wurden bei (den täglichen) Übungen als Widerstandsgeber eingesetzt und die Betten selbst als Trainingsauflagen. So entstand sein erster Caddilac- ein an ein Bett erinnerndes Trainingsgerät.

Sein von ihm mit seinen Mitgefangenen durchgeführtes Training war anscheinend so erfolgreich, dass, als eine verheerende Grippeepidemie, welche in Teilen Europas grassierte und bei der Millionen Menschen starben, keiner seiner Mitgefangenen zu Schaden kam, trotzdem (solche Einrichtungen) […] damals besonders hart betroffen waren. Die Befehlsinhaber des Lagers erkannten die positive Wirkung seines Trainings an und verlegten ihn auf die ‘Isle of Man‘, um auch den dortigen Gefangenen (als Krankenpfleger) zu helfen.“

Laut Überlieferungen hielt Joseph die damals von den Ärzten üblicherweise verordnete lange Bettruhe bei allen Arten von Verletzungen und Krankheiten für falsch. Sein Kompromiss mit den Ärzten im ‘Isle of Man‘ Camp war, dass er alles mit den Kranken machen dürfte, solange sie im Bett blieben. Joseph Pilates befestigte also die Federn der Krankenhausbetten so, dass die „Bettlägerigen“ damit seine Übungsprogramme absolvieren konnten.

Seine großen „Erfolge (mit der Methode) ließen Pilates zu der Erkenntnis kommen, dass (Contrology) […] den Menschen […] gesundheitlich half.Nach der Gefangenschaft blieb er nicht mehr in England, sondern kehrte für kurze Zeit in seine Heimat nach Deutschland zurück und wurde von den deutschen Behörden beauftragt, die neue deutsche Armee in Boxen und Selbstverteidigung zu trainieren. Aber Pilates hatte seinen eigenen Weg gefunden, er wollte helfen und heilen und nicht Menschen ausbilden, um anderen zu schaden.“„Unzufrieden mit den politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen in seiner Heimat (und laut manchen Überlieferung nicht zuletzt auch aufgrund des Drängens der in Amerika lebenden Verwandten), kehrte er Deutschland im Jahr 1926 den Rücken und wanderte (in die USA) aus.“

„Auf der Überfahrt nach New York lernte Joe seine Frau Clara Zeuner, eine deutsche Krankenschwester, kennen und verliebte sich in sie. Zwei Jahre später heirateten sie und nach zwei weiteren Jahren eröffneten sie in NYC in der Eighth Avenue 939 ihr erstes Trainings- Studio.
Inspiriert durch das im selben Gebäude befindliche ‘New York City Ballet‘ begann er auch verschiedene Übungen für die Tänzer zu konzipieren, sodass diese bald aus ganz New York zu ihm kamen um bei ihm zu trainieren.“„Aus dieser Anfangszeit und aus den gemeinsamen Inhalten, nämlich der Zentrierung und Stabilisierung des Körpers erklärt sich die enge Verbindung zum Tanz.

Die Erfahrung von Clara Pilates als Krankenschwester führte auch zu einer sanfteren und rehabilitativ ausgerichteten Weiterentwicklung seines Konzeptes.“ So entwickelte sich die Methode immer weiter. „Joseph Pilates arbeitete höchst individuell und kreativ. Für jeden einzelnen Klienten erstellte er ein eigenes Übungsprogramm und entwickelte sogar neue Übungen für die entsprechende Person. Pilates praktizierte bis ins hohe Alter hinein und verfasste Bücher über seine Technik“ und entwickelte Gerät nach Gerät. Noch als alter Mann stand er in seinem Studio und unterrichtete mit.

„I must be right. Never an aspirin. Never injured a day in my life. The whole country, the whole world, should be doing my exercises. They’d be happier.“

Joe Pilates

Er starb am 09. Oktober 1967 im Alter von 84 Jahren an einem Lungenemphysem – wahrscheinlich an den Folgen jahrelangen Zigarre Rauchens (eines seiner Laster). Ohne ein Testament zu hinterlassen oder die Nachfolge und Weiterführung seiner Arbeit zu regeln, unterrichtete nun Clara Pilates und führte das Studio weiter bis zu ihrem Tod zehn Jahre später (1977).

Trainer und Vorbild zu sein, umfasste das Leben Pilates. Viele Bilder belegen: auch im Alter war er noch fit wie ein Turnschuh.

„We retire too early and we die too young, our prime of life should be in the 70’s and old age should not come until we are almost 100.“

Joe Pilates

Für das Fortleben der Ideen der Beiden sorgten Schüler, die eigene Studios eröffneten und die Methode weiterentwickelten. Zu den First Generation Teachers oder auch ‘Elders‘ genannt zählen: Ron Fletcher, Eve Gentry, Romana Kryzanowska, Jerome Andrews, Mary Bowen, Lolita San Miguel,…

Quellen: PILATES – Das komplette Kompedium – Matwork, Wikipedia

„Die Pilates- Methode besagt, dass der einzige wahre Faktor für das wirkliche Alter nicht die Jahre sind oder wie man denkt, dass man sich fühlt, sondern der unfehlbare Indikator ist, wie natürlich und beweglich Deine Wirbelsäule während Deines ganzen Lebens ist.“

Joe Pilates

In explaining Controlology’s guiding principle, Pilates liked to quote Schiller:

„It is the mind itself which builds the body.“

Johann Christoph Friedrich von Schiller